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Erst der Erfolg, dann die Unterstützung

- Die Photo-Heer-Galerie im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim erinnert an eine Vielzahl von großen Ereignissen rund um den erfolgreichen Fechtsport. Glorreiche Empfänge für Weltmeister und Olympiasieger gehörten inzwischen zum Ritual, 1976 wurden die ersten olympischen Goldmedaillen gefeiert.
25.05.2007 Wilfried Jankowski: Tauberbischofsheim. Das Jahr 1975 war aus sportlicher Sicht in der kleinen, beschaulichen und übersehbaren Stadt an der Tauber damit zu Ende gegangen, dass die Menschen dort und in der gesamten Region mit riesiger Freude und größtem Enthusiasmus an Ereignissen teilhaben konnten, die kaum jemand für möglich gehalten hätte: Der von Emil Beck begründete Fechtsport hatte den Durchbruch in die globale Spitze geschafft, Tausende von begeisterten Sportfans waren gekommen, um 1973 und 1975 „ihre Weltmeister“ zu feiern. Der „programmierte Weg zum Erfolg“ hatte ein ganz wichtiges Etappenziel erreicht, die Blicke richteten sich jetzt auf das Jahr 1976, in dem die Olympischen Spiele in Montreal mit Tauberbischofsheimer Beteiligung stattfanden.
Dabei war das nicht deren erster Auftritt beim Weltfestival unter den fünf Ringen, denn schon 1972 in München stellte Tauberbischofsheim mit Karin Rutz-Gießelmann und Harald Hein (beide Florett) sowie Jürgen Hehn und Reinhold Behr im Degen vier von 20 deutschen Teilnehmern. „Dabei gewesen zu sein,“ das war für sie alles, vor allem ein großartiges Erlebnis und ein stolzer Erfolg, denn Millionen von Sportlern auf der ganzen Welt träumen davon, sich einmal für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Diesen vier Athleten von der Tauber war es vergönnt gewesen, Matthias Behr hatte es in der bayerischen Landeshauptstadt immerhin schon zum Zeitnehmer an der Planche gebracht.
Florett und Degen waren also gerichtet, Montreal konnte kommen. Was sich dort dann in diesen beiden Disziplinen abspielte, war sensationell für Emil Beck, seine Athleten, Trainer und Betreuer. Der sorgfältige Chronist Richard Möll berichtet in seinem Buch „Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim“ aber eher nüchtern von diesen herausragenden Geschehnissen in Kanada: „Aus Montreal, dem Austragungsort der Olympischen Spiele 1976, kehrten von Tauberbischofsheim zehn Teilnehmer mit elf Medaillen zurück. Alexander Pusch (Gold) und Jürgen Hehn (Silber) bestritten sogar ein rein Tauberbischofsheimer Finale im Degen-Einzel. Zusammen mit Hanns Jana, Reinhold Behr und Volker Fischer holten sie auch noch Mannschafts-Silber im Degen.
Im Herrenflorett erkämpften Thomas Bach, Harald Hein, Matthias Behr und Erk Sens-Gorius die Goldmedaille. Noch nie zuvor hat eine Vereinsmannschaft bei der Vergabe olympischer Medaillen in einer Sportart so erfolgreich abgeschnitten.“ In der Heimat wird den Sportlern ein rauschender Empfang mit über 30 000 Besuchern bereitet. Die Stadt stand kopf, diese kaum zu beschreibenden Szenen wurden vor einem Jahr noch einmal ausführlich in Erinnerung gerufen, als die Athleten mit Bürgermeister Wolfgang Vockel die 30. Wiederkehr dieses erfolgreichen Olympiajahres feierten.
Diese ungestüme, systematische und zielstrebige Entwicklung rufe natürlich nicht zur unzählige Bewunderer, sondern ebenso viele Neider auf den Plan, stellte Richard Möll bereits vor 20 Jahren fest. „Vor allem, wenn sie eigene Misserfolge überdecken wollen, finden sie genügend Erklärungen dafür, warum Tauberbischofsheim für sie kein Maßstab sein kann. Diese Feststellung gilt für Trainer ebenso wie für Athletinnen und Athleten, Vereine, Fachverbände oder Kommunen. Doch diese (im Einzelnen aufgeführten, d. Red.) Begründungen halten alle einer objektiven Betrachtung nicht stand. Zu oberflächlich sind solche Feststellungen, sie werden den Realitäten in keiner Weise gerecht.“ Das Zusammenspiel aller Kräfte habe wahrlich eine fairere Bewertung verdient, „denn zu stolz ist die Bilanz, die Tauberbischofsheim zu präsentierten hat“, erklärt der Buchautor nachdrücklich.
Dass die sportlichen Erfolge und die olympischen Medaillen nicht einfach vom Himmel fallen, das wissen nicht nur jene, die das Geschehen in Tauberbischofsheim aufmerksam verfolgt haben. Es waren vielmehr langfristige Planungen, ein durchgängiges Trainingssystem, die durchlässige Schulungsorganisation, revolutionierte Trainingsmethoden, begeisterte Trainer, ein modernes Management, ein hohes Maß der Athleten an Leistungsmotivation, der Verein als Solidargemeinschaft und soziale Heimat sowie das außerordentlich differenzierte Spektrum der sozialen Betreuung, die nachhaltig den Weg in die richtige Zukunft möglich machten.
Für den Fecht-Club Tauberbischofsheim hatte längst eine neue sport- und gesellschaftspolitische Epoche begonnen, die für die gesamte Region in völlig veränderten Dimensionen verlief. Aus einem Sportverein war ein Unternehmen mit Weltgeltung geworden. Und diese hohen Ansprüche erforderten eine Fülle von Ideen, Engagement und Weitsicht. Wichtige Stationen dieser Entwicklung waren:
- 1968: Das Landesleistungszentrum wird dem Fecht-Club Tauberbischofsheim angegliedert,
- 1970: Der Bundesstützpunkt Fechten wird dem FC TBB angegliedert, es erfolgt der Bau einer eigenen Fechthalle,
- 1974: Gründung des Teilinternats „Modell Tauberbischofsheim“,
- 1976: Das Bundesleistungszentrum wird dem FC TBB angegliedert, Bau einer Kantine mit Unterrichtsräumen.
Die Methodik war nicht, viel Geld nach Tauberbischofsheim zu transferieren, um dann zu versuchen, sportliche Erfolge zu erreichen. Das alles lief umgekehrt ab: Erst mussten die Erfolge im Sport vorgewiesen werden, dann gab es finanzielle Unterstützung. Wer heute den gesamten Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim mit seinen vielfältigen Einrichtungen betrachtet, der kann sich gut vorstellen, welche Leistungen nötig waren, um diesen Standard mit Weltniveau zu erreichen. München 1972 und Montreal 1976: Das können also nicht die ersten, vor allem nicht die letzten Olympischen Spiele gewesen sein, bei denen Tauberbischofsheim großen Grund zum Jubeln und Feiern sowie zur weiteren Ausbauplanung hatte.
Bild oben:
Die Photo-Heer-Galerie im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim erinnert an eine Vielzahl von großen Ereignissen rund um den erfolgreichen Fechtsport. Glorreiche Empfänge für Weltmeister und Olympiasieger gehörten inzwischen zum Ritual, 1976 wurden die ersten olympischen Goldmedaillen gefeiert.
Repro: Jankowski
Bild unten:
Tausende von Menschen kamen in den 1970er Jahren nach Tauberbischofsheim, um die erfolgreichen Fechterinnen und Fechter nach Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gebührend zu empfangen. Von da ab waren auch die Medien stark vertreten, um die Bilder millionenfach national und international zu verbreiten.
Repro: Jankowski

