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Der programmierte Erfolgsweg bis zu den ersten Weltmeistertiteln

- Das Fotostudio Heer in Tauberbischofsheim hat alle wichtigen Stationen der Fechterinnen und Fechter im Bild festgehalten. Viele Aufnahmen davon dokumentieren im langen Gang des Olympiastützpunktes den erfolgreichen Weg der Sportlerinnen und Sportler auf der Planche. Ab 1970 wurde das Transparent „Tauberbischofsheim grüßt seine Weltmeister“ immer wieder benötigt, um die Sieger gebührend zu empfangen. Triumphe bei Olympischen Spielen standen zu diesem Zeitpunkt noch aus.
18.05.2007 Wilfried Jankowski: Tauberbischofsheim. Wenn der Fecht-Club in der Kreisstadt in gut vier Wochen sein 40-jähriges Bestehen feiert und aus diesem Anlass viele Erinnerungen ausgetauscht werden, dann spielt mit Sicherheit auch jenes Schlüsselereignis eine große Rolle, das sich bereits 16 Jahre vor der Vereinsgründung zugetragen hatte und überhaupt erst auf die „Spur Fechten“ führte: Dieser Zufallstreffer ereignete sich 1951 in einem Filmtheater, das ein damals 16-Jähriger mehr oder weniger zufällig besuchte. Nicht der Film selbst, sondern die vorab gezeigte Wochenschau war es, der längst weitreichende fechtgeschichtliche Bedeutung beizumessen ist: Darin wurde ein kurzer Bericht über Sportfechten gezeigt, der den jungen Mann faszinierte, das Geschehen auf der Leinwand zog ihn voll in seinen Bann. Der ungeheuer beeindruckte Kinobesucher war Emil Beck.
Am nächsten Tag schaute er sich diese Szene gleich noch einmal an, die Wirkung blieb die gleiche. In seinem Buch „Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim“ beschreibt Autor Richard Möll dieses Geschehen ausführlich: „Erneut ist er fasziniert von der Ästhetik der Bewegungsabläufe, es imponiert ihm ungemein, dass es einen solch ritterlichen Sport noch gibt. Der Gedanke, diese Sportart selbst zu betreiben, sie zu lehren, vielleicht zu revolutionieren, lässt ihn von nun an nicht mehr los. Er beschließt mit der ihm eigenen Spontaneität und Beharrlichkeit, Fechter und Trainer zu werden.“
Das waren sozusagen die „Geburts-Tage“ des Fechtens in Tauberbischofsheim. Als Richard Möll sein Monumentalwerk 1987 abschließt, hat er darin folgerichtig formuliert: „Es klingt wie ein Märchen, ist aber unverrückbare Wirklichkeit: Als 1950 der Nordbadische Fechterbund (NFB) nach dem Zweiten Weltkrieg wieder gegründet wird, ist unter den Gründungsvereinen Tauberbischofsheim nicht zu finden. Des Rätsels Lösung: Es gab diesen Verein einfach noch nicht! Und dieser Club soll heute (also 1987, d. Red.) nicht nur der erfolgreichste Fecht-Verein, sondern der erfolgreichste Sportverein der Bundesrepublik Deutschland überhaupt sein?“
Emil Beck mit seinen Mitstreitern, vor allem seine Sportlerinnen und Sportler, haben darauf in den Folgejahren die passende Antwort gegeben. Und das, so Richard Möll, „obwohl wir doch bei uns nicht die totale Zentralisierung wie etwa in Frankreich in Paris oder bei der Mehrheit der Ostblockstaaten haben, wo die Spitzensportler in der Regel für einen Club starten müssen“. Die Fechterinnen und Fechter agierten zunächst in einer Abteilung es Turnvereins, zur Gründung des Fecht-Clubs kam es am 30. Juni 1967.
Vier Jahre nach dem Kinoerlebnis von Emil Beck zeigte sich der erste Fechter aus Tauberbischofsheim der Öffentlichkeit bei einem Turnier. Schon ein Jahr später, nämlich 1956, wurde die erste Badische Einzelmeisterschaft bei den Degen-Junioren registriert. Sie brachte Günther Zwerger an die Tauber. Regionale Meisterschaften sind gut, aber erfolgshungrige Sportlerinnen und Sportler orientieren sich weiter nach oben, sie wollen Deutsche Meister werden. Doch bis es soweit war, floss noch eine Menge Wasser die Tauber hinunter.
„Ohne Fleiß kein Preis!“ – Die tiefe Wahrheit dieses geflügelten Wortes erlebten auch die Neufechter in Tauberbischofsheim in der Praxis. Aber es wurde trainiert, trainiert und noch einmal trainiert, der Aufwärtstrend war unverkennbar, der „programmierte Weg zum Erfolg“, den Richard Möll in der Unterzeile seines Titels festgehalten hat, brauchte mehrere Etappen, um schließlich im Jahre 1961 die erste Deutsche Mannschafts-Meisterschaft mit den Degen-Junioren feiern zu können: Paul Neckermann, Peter Storz, Armin Ködel, Otto Lanig und Jürgen Hehn schafften diese Premiere für die Fechtabteilung des TV Tauberbischofsheim.
Elmar Beierstettel war es dann, der fünf Jahre später als Erster bei den Junioren im Florett eine deutsche Einzelmeisterschaft erkämpfte. Von da an ging es dann auf nationalem und internationalem Parkett Schlag auf Schlag in der Erfolgsspur weiter: Die erste deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Aktiven gab es im Degen durch Günther Zwerger, Jürgen Hehn, Harald Hein, Reinhold Behr und Elmar Beierstettel, und zwar im Jahre 1967, in dem dann auch der Fecht-Club gegründet wurde. Zwei Jahre danach sorgten dann, immer mit dem Prädikat „Erste“ ausgestattet, Karin Rutz-Gießelmann und Harald Hein mit dem Florett sowie Reinhold Behr mit dem Degen für weitere nationale Einzelmeister-Ehren.
Die erste Goldmedaille im Einzel bei einer Weltmeisterschaft der Junioren verzeichnete dann Harald Hein im Florett für sich, doch die Aktiven wollten diesen Erfolgen in nichts nachstehen. Das Jahr 1973 weist deshalb auch den Sieg einer Mannschaft im Degen bei Weltmeisterschaften aus, an dem Jürgen Hehn, Reinhold Behr und Harald Hein aus Tauberbischofsheim beteiligt waren. Den Höhepunkt in diesem Bereich der Erfolgsleiter schaffte dann Alexander Pusch zwei Jahre später mit dem Degen: Er wurde Weltmeister im Einzel in dieser Disziplin. Nur natürlich, dass sich zum damaligen Zeitpunkt alle Blicke auf die kommenden Olympischen Spiele in Montreal richteten. Aber bis dahin hatten die Fechterinnen und Fechter von der Tauber noch ein Jahr Zeit.
Bild oben:
Das Fotostudio Heer in Tauberbischofsheim hat alle wichtigen Stationen der Fechterinnen und Fechter im Bild festgehalten. Viele Aufnahmen davon dokumentieren im langen Gang des Olympiastützpunktes den erfolgreichen Weg der Sportlerinnen und Sportler auf der Planche. Ab 1970 wurde das Transparent „Tauberbischofsheim grüßt seine Weltmeister“ immer wieder benötigt, um die Sieger gebührend zu empfangen. Triumphe bei Olympischen Spielen standen zu diesem Zeitpunkt noch aus.

