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Olympia-Jahr 1988 ist nicht zu überbieten

Den größten Triumph der Vereinsgeschichte des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim erlebte die Sportwelt bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul: Im Damenflorett-Einzel holten sich Anja Fichtel die Gold-, Sabine Bau die Silber- und Zita Funkenhauser die Bronzemedaille. Zudem wurden sie auch mit der deutschen Mannschaft die Olympiasiegerinnen.

1.06.2007 Wilfried Jankowski: Als Professor Richard Möll 1987 seine Manuskriptbearbeitung für das Buch „Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim“ abschloss, fügte er nach der Darstellung der Erfolge bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles vermutlich sehr genüsslich diesen  prophetischen Satz hinzu: „Wollen wir heute schon wetten, dass Tauberbischofsheim auch in Seoul, dem Austragungsort der Olympischen Spiele 1988, den harten Kern der deutschen Fecht-Vertretung stellt und nicht ohne Medaillen heimkommen wird?“ – Damit hatte er in weiser Voraussicht den Nagel auf dem Kopf getroffen, denn dieses sportliche Großereignis in der südkoreanischen Hauptstadt wurde zum absoluten Triumph der Vereinsgeschichte des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim.


In einer gewissen Favoritenrolle waren sie schon, die drei Florett-Mädel aus Tauberbischofsheim, als sie ihre Wettkämpfe in Seoul begannen. Dass es aber so berauschend kommen würde, damit hatte auch in kühnen Träumen niemand gerechnet: Sie teilten den Medaillensegen im Einzelwettbewerb unter sich auf: Anja Fichtel wurde mit der Goldmedaille dekoriert, Silber ging an Sabine Bau und Bronze gab es für Zita Funkenhauser. Das Einzigartige an diesem nicht zu überbietenden Erfolg: Die drei Siegerinnen gewannen die Medaillen für Deutschland, kamen aber alle vom gleichen Verein, dem Fecht-Club Tauberbischofsheim! Und sie schafften ein Weiteres: Als Mannschaft wurden sie gleichermaßen Olympiasiegerinnen.

Weil ein derart einmaliges Ergebnis einfach nicht zu überbieten ist, werden die übrigen herausragenden Leistungen der Tauberbischofsheimer Fechter ein wenig in den Hintergrund gedrängt, obwohl sie – stünden sie für sich allein – große Würdigung verdient haben: Die Silbermedaille erkämpften sich im Herrendegen als Mannschaft Alexander Pusch, Elmar Borrmann, Volker Fischer und Thomas Gerull, ebenfalls Team-Silber gewannen Matthias Behr, Mathias Gey, Thorsten Weidner und Thomas Endres. Aus gesamtdeutscher Sicht kamen noch die Einzel-Goldmedaille von Arnd Schmitt im Herrendegen und die Silbermedaille im Herrenflorett von Udo Wagner hinzu.


Acht Jahre zuvor hatte die Politik den Sportlerinnen und Sportlern der Welt einen bösen Streich gespielt, denn die Olympischen Spiele in Moskau wurden boykottiert, der Kampf um das begehrte Edelmetall blieb so auch für zehn hervorragend vorbereitete und fest nominierte Athleten aus Tauberbischofsheim auf der grausam-diplomatischen Strecke. Dabei gewesen wären sonst Sabine Bischoff, Harald Hein, Mathias Gey und Matthias Behr mit dem Florett, Alexander Pusch, Hanns Jana, Elmar Borrmann, Christian Adrians und Manfred Beckmann mit dem Degen sowie Dieter Schneider mit dem Säbel. „Es hat nicht sollen sein,“ werden sie in ihrer ganz persönlichen Chronik vermerkt und damit die Freude an der Weltpolitik nicht vergrößert haben.

Bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles stellte Tauberbischofsheim zwölf von 20 Teilnehmern des Deutschen Fechter-Bundes, das waren nicht weniger als 60 Prozent. Diese zwölf Fechterinnen und Fechter kamen auch mit zwölf Medaillen zurück. Gold für die Damenflorett-Mannschaft mit Sabine Bischoff und Zita Funkenhauser, Gold ebenso für die Herrendegen-Mannschaft mit Alexander Pusch, Volker Fischer, Elmar Borrmann, Gerhard Heer und Rafael Nickel. Eine Silbermedaille konnten Matthias Behr im Herrenflorett-Einzel und die Mannschaft im Florett mit Matthias Behr, Mathias Gey, Harald Hein und Frank Beck präsentieren.

Mit dieser einzigartigen Bilanz durch „Eigengewächse“ hatte Emil Beck der gesamten Sportwelt eindrucksvoll demonstriert, dass es möglich ist, eine Sportart in regionaler Dimension aus dem Nichts zu überaus großen globalen Erfolgen zu führen. Diese durch anerkannte Leistungen dokumentierte Tatsache hat aber kaum Nachahmer gefunden, weil eventuell der Weg vom Hinführen ganz junger Menschen zu einer Disziplin über die  intensive Trainings- und Betreuungsarbeit bis hin zur umfassenden Begleitung in Spitzenbereichen für viele zu mühsam ist. Auch das zweite Beispiel der „Fecht-Legende von Tauberbischofsheim“, dem Fechten durch lokale Initiativen neue Impulse zu geben und ein engagiertes Mitmachen zu erreichen, trägt längst Früchte. Die von Emil Beck in den 1990er Jahren ins Leben gerufenen Vereine können in Zusammenarbeit mit dem Olympiastützpunkt auf nationaler wie auch internationaler Ebene sehr beachtliche Leistungen ihrer Schützlinge vorweisen: Die Ortsnamen Dertingen, Werbach, Ravenstein, Hardheim-Höpfingen oder Ahorn stehen dafür.

Tauberbischofsheim hatte sich inzwischen daran gewöhnt, Olympiasieger und Weltmeister zu feiern. Und jede Gewohnheit führt dazu, nach einer Steigerung zu fragen, sie zu erwarten, ohne dass sie überhaupt möglich ist. Denn über einen Olympiasieg oder eine Weltmeisterschaft geht nichts hinaus. Also werden derartig herausragende Leistungen zur Selbstverständlichkeit. Damit lässt die Begeisterung nach, sie wieder stärker zu entfachen, damit beschäftigen sich die Verantwortlichen des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim auch in der augenblicklichen Phase, in der die Jubiläums-Feierlichkeiten für das 40-jährige Bestehen mit Hochdruck vorbereitet werden.

Bevor es zu den grandiosen Geschehnissen in Seoul kommen konnte, hatte es einmal mehr eine Fülle von Aktivitäten gegeben, um solche Erfolge überhaupt möglich zu machen. Die Chronik „der unerlässlichen Voraussetzungen“ registriert in diesem Zeitraum

    • den Bau eines Sozialtraktes mit Gymnastikhalle, Arztzimmer, Internatsräumen, Massageabteilung und Schwimmbad im Jahre 1980,
    • 1983 die Einweihung der neuen Fechthalle mit Videoraum, Werkstatt und Kraftraum,
    • 1986 die weitreichende Entscheidung, dass der Fecht-Club Tauberbischofsheim Trägerverein des neu gegründeten Olympiastützpunktes wird,
    • im gleichen Jahr die Einweihung des Verwaltungsgebäudes und des Garagenanbaues sowie
    • 1988 die Einweihung des „Berghofes I – Haus der Fechter“ als integralem Bestandteil des Teilinternats.

Der Fechterzug aus Tauberbischofsheim hatte längst große Fahrt aufgenommen und sich auf der Erfolgsspur des sportlichen Geschehens weltweite Beachtung erarbeitet. Die Sportlerinnen und Sportler begeisterten das Publikum, hatten aber auch viele Neider. Solche, die sich freuten, wenn nicht alles nach Wunsch lief. An derartigen Realitäten kommen aber weder ein Verein noch eine Sportart vorbei, daran wird in den Medien jeden Tag erinnert. Gerade aus dieser Sicht hat der Jubiläums-Club von der Tauber keinen Grund, seine ganz oben gehisste Flagge nach den Olympischen Spielen 1988 in Seoul tiefer zu hängen.