Aktuelles:
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Auch das noch: 656 deutsche Meistertitel errungen

- Der legendäre Heizungskeller in der Tauberbischofsheimer Festhalle: Diese historische Aufnahme ist als wertvolle Erinnerung an die Anfangszeiten der Fechter begehrt. Hier erhielten die Schützlinge von Emil Beck die ersten Lektionen, die sie im Laufe der Zeit befähigten, sogar bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen auf Medaillenränge vorzustoßen. (Repro: Jankowski )
21.06.2007 Wilfried Jankowski: Wieder WM-Titel im Jahre 1999, der Fecht-Club Tauberbischofsheim konnte sich weiter in der globalen Erfolgsspur halten, das nächste Ziel für alle Verantwortlichen, vor allem für die Sportlerinnen und Sportler, waren die Olympischen Spiele in Sydney zum Anfang des neuen Jahrtausends. Bevor es so weit kam, erlebte der Verein mit der weltweiten Anerkennung aber ebenso, dass dort, wo „gehobelt wird“, auch „Späne fallen“, die – je nach öffentlicher Aufmerksamkeit – erheblichen „Sand ins Getriebe bringen“ können. Interne personelle Unstimmigkeiten im Olympiastützpunkt, von Emil Beck in einer Trainersitzung formuliert, drangen nach draußen, wurden von den Medien mit großer Begierde aufgegriffen und machten fortan Schlagzeilen, die sich niemand in der Medaillenschmiede an der Tauber gewünscht hatte.
An der öffentlichen Auseinandersetzung mit heftigen Kontroversen waren sehr schnell auch die so genannten Zuwendungsgeber wie Bund, Land oder Deutscher Fechter-Bund beteiligt, die Staatsanwaltschaft in Mannheim schaltete sich ein und ermittelte. Und das über fünf Jahre hinweg. In einem Lande der festgeschriebenen Unschuldsvermutung fühlte sich Emil Beck auf Grund der Reaktionen vorverurteilt. Im engen Freundeskreis zeigte er sich enttäuscht über diesen riesigen Ermittlungszeitrum, der für ihn, gemessen an seinem Lebenswerk, eine psychische Quälerei darstellte, die auch nicht ohne körperliche Auswirkungen blieb. Als er im Jahre 2000 mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres seine aktiven Tätigkeiten im Fechtzentrum beendete, waren die juristischen Begleitumstände längst noch nicht abgeschlossen. Der sechs Jahre später dann doch terminierte Prozess hat für ihn nicht stattgefunden: Emil Beck starb plötzlich, völlig unerwartet und noch mit neuen, herausfordernden Aufgaben beschäftigt am 12. März 2006 und wurde von einer großen Trauergemeinde, vielen Freunden und Weggefährten, vor allem aber einer wieder vereinten Fechterfamilie auf seinem letzten Gang begleitet.
Wenn diese Fechterfamilie am heutigen Freitag mit vielen Gästen zusammen kommt, um das 40-jährige Jubiläum des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim zu begehen, dann wird diesem Forum auch der in Zukunft jährlich zu vergebende „Emil-Beck-Gedächtnispreis“ vorgestellt. Die Redner des Abends sind Bürgermeister Wolfgang Vockel, zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrates des Vereins, dessen Präsident Professor Dr. h.c. Matthias Kleinert und mit der Festansprache Dr. Thomas Bach, selbst Olympiasieger und früherer Weltmeister, heute Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und erster Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Eine Licht- und Tonschau über die vier Jahrzehnte währende Geschichte, Präsentationen, Ehrungen und Showeinlagen stehen weiter auf dem Programm.
Schillernde Worte über die Kraft der Vereinsphilosophie hat Professor Richard Möll bereits in seinem 1987 abgeschlossenen Buch „Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim“ gefunden: „Ein Verein kann eben durch seine breit gefächerten, auch an ganze Familien gerichtete Angebote und dem damit verbundenen ‚Miteinander aller’ jene Solidargemeinschaft prägen, die ideellen und materiellen Anforderungen Spitzensportlern gegenüber aufgeschlossen bleibt. Nur im Verein ist die Identifikation mit dem Athleten sicherzustellen und nur dort erfahren Leistungen aller Ebenen jederzeit ihre Anerkennung. Über die Identifikation bleibt der ‚Athlet zum Anfassen’ erhalten.“ Aus der Sicht eines Außenstehenden schildert er das Empfinden gleichermaßen positiv: „Der Besucher nimmt einen hervorragenden Eindruck einer verschworenen Gemeinschaft als Erinnerung mit auf den Heimweg. Der humane Spitzensport, wie er immer wieder gefordert wird, findet hier seinen festen und gesicherten Platz.“
Die knapp sieben Jahre, die im neuen Jahrtausend hinter dem Fecht-Club liegen, bedeuten in vielen Bereichen eine Umstrukturierung, das Maß aller Dinge blieb jedoch der sportliche Erfolg. Dabei ist jeder Medaille, egal, ob sie bei nordbadischen Meisterschaften oder Olympischen Spielen errungen wird, die intensive Arbeit zumindest eines Trainers zuzuordnen. Allein dieses harmonische und zielorientierte Zusammenspiel von Fechtlehrer, der auch oft Psychologe, Berater oder gar Elternersatz ist, und Sportler stellt die Grundlage dar, um Erfolge in der Tauberbischofsheimer Dimension erringen zu können.
Längst hat sich im Olympiastützpunkt ein international erfahrenes Trainer-Expertenteam etabliert, das sich Tag für Tag um alle Altersklassen der sechs Waffen-Diziplinen bemüht und die Sportlerinnen und Sportler von Erfolg zu Erfolg führt. Nicht wenige von ihnen wurden vom Deutschen Fechter-Bund zu Bundestrainern berufen, um in ihrem spezifischen Bereich die Verantwortung für die gesamte Bundesrepublik zu übernehmen. In dieser hervorgehobenen Position tätig waren Jochen Behr (Herrenflorett), Paul Neckermann (Damenflorett), Berndt Peltzer und Alexander Pusch (Herrendegen), Lajos Somodi (Damenflorett) und Lothar Stolz (Organisation). Derzeit amtierender Bundestrainer für Damenflorett ist Ingo Weißenborn. Die beiden Bundes-Nachwuchstrainer heißen Sven Todt (Damenflorett) und Udo Wagner (Herrenflorett), vom Deutschen Fechter-Bund seit Jahren als Herrendegen-Stützpunkttrainer eingesetzt ist Martin Heidenreich.
In der Zeit seines 40-jährigen Bestehens ist der Verein von drei Präsidenten geführt worden. Nach Anton Hofmann und Helmut Schmidt, den jetzigen Ehrenpräsidenten, folgte im vergangenen Jahr Professor Dr. h.c. Matthias Kleinert, dem als Vorstandsmitglieder Dr. Sabine Bau, Karl-Friedrich Schönleber, seit 2001 Geschäftsführer der stiftungseigenen „Sport Marketing Tauberbischofsheim GmbH (SMT)“, Dieter Schneider und Michael Grethe zur Seite stehen. Leiter des Olympiastützpunktes ist seit 2006 der frühere erfolgreiche Degenfechter Daniel Strigel. Namhafte Persönlichkeiten der Region gehören ferner den Gremien des Vereins an, die in präzise formulierten Bereichen die Belange der Fechterinnen und Fechter fördern. Im OSP ist auch die Geschäftsstelle des Nordbadischen Fechterbundes (NFB) untergebracht.
Die einmalige Erfolgsgeschichte des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim steht heute bei den Feierlichkeiten im Mittelpunkt des Geschehens. Neben den 38 Medaillen bei Olympischen Spielen und 197 bei Weltmeisterschaften sind aber auch jene 101 Edelmetall-Trophäen nicht zu vergessen, die sich die Aktiven und Junioren bei Europameisterschaften erkämpften. Hinzu kommen bis zum heutigen Tag 656 deutsche Meistertitel. Silber und Bronze ist dabei nicht berücksichtigt. Welcher Verein kann sich das schon leisten?
Von allen, die dazu beigetragen haben, dass der Fecht-Club eine derart stolze Bilanz vorlegen kann und die heute ein großes Wiedersehen feiern, aber auch von jenen, die als Gäste an diesem Fest teilnehmen, wird wohl niemand vergessen, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein einziges Wort über diese triumphalen Geschehnisse geschrieben worden wäre, hätte es nicht im Jahre 1951 diesen denkwürdigen Tag gegeben, an dem ein 16-Jähriger in seiner Heimatstadt Tauberbischofsheim ein Kino besuchte und sich dabei von einem Wochenschau-Beitrag über Sportfechten derart faszinieren ließ, dass er beschloss, diesen Umgang mit den Waffen zu lernen, zu lehren und zu revolutionieren. Diese Revolution ist ihm, Emil Beck, gelungen, alle jene, die heute sein Erbe verwalten, arbeiten ständig daran, auf diesem erfolgreichen Weg zu bleiben, denn die nächsten Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spiele stehen bereits vor der Tür. Dort zählen nur aktuelle Erfolge, keine großartigen Erinnerungen.
Die Medaillengewinner des neuen Jahrtausends:
Olympische Spiele 2000 in Sydney: Silbermedaille für Rita König im Damenflorett-Einzel, Bronze für die Damenflorett-Mannschaft mit Sabine Bau und Rita König, Mannschafts-Bronze für Alexander Weber im Herrensäbel. Athen 2004: Mannschafts-Silber im Damendegen für Claudia Bokel, Mannschafts-Bronze im Herrendegen für Jörg Fiedler, Sven Schmid, Daniel Strigel und Norman Ackermann.
Weltmeisterschaften 2001 in Nîmes: Einzel-Silber für Sabine Bau im Damenflorett, Mannschafts-Bronze für Doreen Häntzsch und Susanne König im Damensäbel; 2002 in Lissabon: Mannschafts-Gold für Lars Schache und André Weßels im Herrenflorett, Einzel-Silber durch André Weßels, Bronze für die Mannschaft mit Alexander Weber im Herrensäbel; 2003 in Havanna: Mannschafts-Silber im Herrendegen mit Sven Schmid, Jörg Fiedler und Norman Ackermann, Mannschafts-Silber im Damendegen mit Claudia Bokel, Mannschafts-Bronze im Herrenflorett mit Dominik Behr und André Wessels; 2005 in Leipzig: Silber im Damenflorett-Einzel durch Anja Müller, Mannschafts-Silber im Herrendegen mit Sven Schmid, Martin Schmitt, Daniel Strigel und Jörg Fiedler, jeweils Mannschafts-Bronze für Claudia Bokel und Dominik Behr im Damendegen und Herrenflorett; 2006 in Turin: Mannschafts-Silber für Dominik Behr und wiederum Mannschafts-Bronze für Claudia Bokel.
Auch die Junioren und Kadetten haben in den vergangenen Jahren in starkem Maße dazu beigetragen, die Erfolgsbilanz des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim in astronomischer Höhe anzusiedeln. Bei den Weltmeisterschaften der Junioren erkämpften sich die deutschen Athletinnen und Athleten mit Tauberbischofsheimer Beteiligung 18 Gold-, 19- Silber- und 26 Bronzemedaillen, zwölf Mal Gold, acht Mal Silber und 16 Mal Bronze gab es bei deren Europameisterschaften. Die Kadetten, Sportlerinnen und Sportler in den Altersklassen der A-Jugend, kamen mit sechs Gold-, neun Silber- und 15 Bronzemedaillen an die Tauber zurück. Stellvertretend und als Beispiel herausragender Leistung für die vielen Medaillengewinner der Nachwuchsriege steht aktuell Sandra Bingenheimer: Sie wurde in diesem Jahr Weltmeisterin der Juniorinnen im Damenflorett bei den Welttitelkämpfen in der Türkei.
Rollstuhlfechter mit grandiosen Leistungen
Seit 1992 hat das Rollstuhlfechten im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim einen hohen Stellenwert. Die besten sechs Athletinnen und Athleten des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim haben bei den Paralympics 1996 in Atlanta, 2000 in Sydney sowie den Weltmeisterschaften ab 1994 allein 45 Medaillen errungen. Diese erfolgreiche Bilanz präsentieren Esther Weber-Kranz (15 Medaillen), Silke Schwarz (8), Waltraut Stollwerck und Wilfried Lipinksi (je 6) sowie Uwe Bartmann und Dr. Wolfgang Kempf (je fünf).


