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Internat

Auch bei der Betreuung der Fechterinnen und Fechter über den Sport hinaus geht man in Tauberbischofsheim besondere Wege. So besitzt das Teilzeitinternat noch immer Modellcharakter, das „Modell Tauberbischofsheim“. Ergänzt wird das starke soziale Engagement durch das Vollzeitinternat, dem sogenannten „Berghof - Haus der Fechter”.

Das Leben im Internat (Eindrücke von Morten Löhr)

16 Jugendliche, sowohl Jungen als auch Mädchen, zusammen in einem Haus. Dazu kommen zwei Betreuer mit ihren Familien. Das kann doch nicht lange gut gehen, denkt man sich jetzt sicherlich.

Doch, es funktioniert sehr gut! Das Fechtinternat Tauberbischofsheim, auch Berghof genannt, existiert nun seit fast 20 Jahren und die Erfolge, die Fechter dieses Internats international errangen, geben diesem Konzept Recht. Jüngste Erfolge sind zum Beispiel der Degenfechter Kentaro Wakayama, der die letzte Saison als zweiter auf der deutschen A-Jugend Rangliste abschloss und auf der Kadetten-WM in Belek den 23. Rang erreichte, oder auch der Florettfechter Markus Hartmann, der in seinem ersten Kadetten Jahr bei den deutschen Meisterschaften der A-Jugend direkt einen dritten Platz erzielte.

Der Tag eines „Berghöflers“ beginnt morgens mit dem Frühstück, bis dann um 7:30 Uhr die Schule beginnt. Alle Fechter besuchen ganz normale öffentliche Schulen, die jedoch in enger Zusammenarbeit mit dem Fechtclub Tauberbischofsheim stehen. Nach der Schule erwartet die Schüler im Fechtzentrum ein warmes Mittagessen. Den Nachmittag verbringt man größtenteils mit Hausaufgaben und Lektionen. Im Fechtzentrum steht ein separater Raum zur Verfügung, der allgemein als „TI“ bekannt ist. Die Abkürzung steht für Teilinternat. Es ist eine Einrichtung für Internatsschüler, aber auch für Fechter aus Tauberbischofsheim und der näheren Umgebung. Hier kann man in Ruhe seine Hausaufgaben machen und sich von den vier Lehrerinnen, die alle ihr eigenes Spezialgebiet haben, helfen lassen. Diese erteilen ebenfalls Nachhilfe für Schüler, die Probleme in einigen Fächern haben und helfen dabei, sich noch einmal auf ein bevorstehende Arbeit vorzubereiten. Bis zum Training um sechs Uhr abends hat man Freizeit, in der man fernsehen, kickern, Badminton spiele  und vieles mehr machen kann. Vor dem Training gibt es noch ein warmes Abendessen. Nach dem Training um acht Uhr kehrt man ins Internat zurück, das heißt man lässt sich entweder fahren oder muss noch eine kleine Extra- Trainingseinheit bergauf absolvieren.

Insgesamt bietet der Berghof 17 Fechtern Platz, wobei er aus 11 Einzel- und 3 Doppelzimmern besteht. So wird man als Neuankömmling meistens erst einmal in ein Doppelzimmer einquartiert und muss warten, bis ein Einzelzimmer frei wird. Das ist aber eigentlich nicht weiter schlimm, schließlich ging es jedem ja einmal so. Außerdem hat es auch durchaus Vorteile, in einem Doppelzimmer zu  wohnen, zum Beispiel, dass man auch noch nach der Bettruhe jemanden zum Reden hat und man leichter Freundschaften schließt.

Zu Anfang sind die meisten Zimmer eher schlicht eingerichtet, Bett, Kleider- und Kühlschrank, Schreib- und Nachttisch gehören zur Standardausstattung. Von hier an sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Wie man sein Zimmer weiter gestaltet, ist eigentlich jedem selbst überlassen, ob Poster, Sitzsäcke oder andere Accessoires. So gibt mit der Zeit jeder Internatler seinem Zimmer einen ganz eigenen Stil. Während das eine Zimmer in starkem Rot gehalten ist und überall rosa Herzen etc. zu sehen sind, ist ein anderes Zimmer eher nüchtern und wurde lediglich mit ein paar Bushidopostern ausgestattet. Einen gemeinsamen Nenner haben jedoch alle Zimmer: Ein Laptop oder eine Stereoanlage zum Musikhören dürfen nicht fehlen, auch wenn es dadurch manchmal zu kleinen Diskussionen über die Musiklautstärke kommt. 

Die restlichen Dinge, die absolut lebensnotwendig sind, muss man sich jedoch teilen: Küche, Fernsehen und Internet!

Ist gerade einmal kein Training und man hat nichts mehr zu tun, verbringt man seine Zeit zum Beispiel im Gemeinschaftsraum. Dort kann man fernsehen oder am Gemeinschaftslaptop mit Freunden chatten. Das läuft jedoch oft nicht so problemlos wie zu Hause ab. Eigentlich ist der Laptop permanent belegt, das heißt, wenn man das Internet nutzen möchte, muss man zunächst einmal warten, bis der Laptop wieder frei ist. Dieses Problem dürfte jedoch bald der Vergangenheit angehören, da in Kürze das gesamte Internat einen gemeinsamen Internetanschluss erhalten soll, den mittels W-Lan jeder mit seinem eigenen PC benutzen kann. Über das Fernsehprogramm gibt es eigentlich auch nur selten Diskussionen, was ein  Wunder ist, bei so vielen Leuten, die oft gleichzeitig fernsehen. Sollte es dann aber doch einmal dazu kommen, dass man sich nicht einigen kann, ob man nun „Desperate Housewives“  oder doch Fußball schauen soll, gibt es im ersten Stock zum Glück noch einen Ersatzfernseher, der für solche Fälle bereit steht.

Einer der interessantesten Räume im Berghof ist sicherlich die Küche. An den meisten Tagen der Woche wird man bereits im Fechtzentrum verpflegt, an den Wochenenden jedoch muss jeder sich selbst um sein Essen kümmern, wobei er sich jedoch an bereits vorhandenen Dingen wie Brot oder Eiern, in der Küche bedienen darf. Während viele einfach eine Tiefkühlpizza in den Ofen schieben, nutzen andere diese Freiheit, um ihre Kochphantasien auszuleben. Dies reicht von selbstgemachten Hamburgern, Wackelpudding bis hin zu Sushi oder frisch gebackenem Apfelstrudel. Man kann sich sicherlich vorstellen, wie die Küche nach so einem Tag aussieht, an dem sich jeder in ihr ausgetobt hat. Aus diesem Grund ist jeden Abend jemand dafür zuständig, die Küche aufzuräumen. Das ist sicherlich eine lästige Aufgabe, sie wird jedoch dadurch erträglich, dass selten wirklich viel in der Küche aufzuräumen ist. Man hat also wirklich nur manchmal viel Arbeit mit dieser Aufgabe.

Das führt zu den Regeln, die man als Mitglied des Berghofs beachten muss. Der Küchendienst ist eine davon. Ferner gibt es eine Bettruhe ab zehn Uhr, sobald man 16 ist erst ab 22:30. Dies gilt natürlich nicht für Wochenenden, an denen man absprechen kann, wie lange der Abend wird.

Dass jeder sich auch wirklich an diese Regeln hält, überwachen Gaby Ruppert und Andre Kuzmin, die jeder eigentlich nur Gaby oder Andre nennt. Wobei „überwachen“ eigentlich das falsche Wort ist, da die beiden wirklich nett sind und man mit ihnen auch manchmal eine kleine Ausnahme aushandeln kann.

Das Beste am Berghof ist jedoch die Gemeinschaft. Jederzeit kann man mit anderen etwas machen, ob es nun eine Partie Tischtennis ist oder einfach schnell ein kurzer Ausflug in die Stadt.

Auch wenn man zusammen in einem Haus lebt, versteht man sich doch irgendwie, weil alle ein gemeinsames Interesse haben, nämlich Fechten und jeder später einmal ein großer Fechter werden will.